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Nachrichtenwelten

Globalität, Geschwindigkeit, Geschichten – diese Studie ist ein zeitgenössisches Portrait der Arbeitsmethoden und -bedingungen von Auslandskorrespondenten in Washington D.C., Südostasien und Nahost.

Erstmalig in der deutschsprachigen Forschungslandschaft wird die Alltagspraxis der Korrespondenten vor Ort detailliert beschrieben und aus kulturtheoretischer Sicht analysiert. In den Beschreibungen und den Worten der Korrespondenten von A wie ARD bis Z wie Zeit wird Auslandsberichterstattung als kulturelle Praxis verstehbar: Geschichten aus der Welt werden über die Welt erzählt.

Nachrichtenwelten
Hinter den Kulissen der Auslandsberichterstattung. Eine Ethnographie
ISBN 978-3-89942-961-9
Reihe MedienWelten

Hier gehts weiter zum Vorwort..

Off the record

Fast schon wesenhaft birgt die ethnologische Methode der teilnehmenden Beobachtung die Gefahr von Gegen- und Überreaktionen. Umso mehr im Kontakt zwischen Wissenschaft und Journalismus. Zwar ist der Forscher im Grunde genommen keine Konkurrenz, Insiderinformationen jedoch sind nicht nur in Börsengeschäften eine heiße Ware. Darüber hinaus stoßen in dieser Studie zwei Berufsgruppen aufeinander, deren Aufgabe die Information einer wie auch immer gearteten Öffentlichkeit ist. Egal ob man dieses Unterfangen als studying up (vgl. Nader 1972) oder studying sideways (vgl. Hannerz 2004) betrachtet, durch die Formen der Interaktion wird schnell klar, dass Wissen und Darstellungsmacht Formen von Kapital darstellen. Und in einem Minenfeld angesiedelt sein können. So wurden im Verlauf der Forschung Türen in einigen Fällen gleich geschlossen oder wichtige Gespräche explizit unter Ausschluss geführt. Auf der anderen Seite gab es Informationen, die mir unter der Prämisse „von mir hast du das nicht!“ zugeschoben wurden; heimliche Treffs mit Informanten, von denen keiner wissen durfte oder sollte; Materialien, die unter Verschluss waren (und es auch immer noch sind). Ich war teilweise durch einen Hospitantenvertrag verpflichtet, keine Interna nach Außen gelangen zu lassen, auch hielten mich einzelne Gesprächspartner an, dieses oder jenes nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen und generell sorgfältig abzuwägen.

Angesichts dessen habe ich inoffiziell autorisiertes Material für die Hintergrundrecherche benutzt. Ebenso wie ich einige Anmerkungen, die off the record liefen, on the record in anderer Form und an anderer Stelle thematisiert habe. Ich denke, dass dieses Vorgehen dem Thema angemessenen ist. Ich habe diese Forschung nicht als investigative Recherche oder aufgeregte Suche nach einem Scoop unternommen. Ebenso wenig, um einzelne Personen zu portraitieren. Das wesentliche Thema ist der Kontext, in dem die Arbeit der Korrespondenten erfolgt. Meine Gesprächspartner habe ich in der vorliegenden Version anonymisiert – teilweise auf Wunsch selbiger, teilweise aus dem Gedanken heraus, dass es gerade bei den so genannten Meinungsmachern spannend sein könnte, Meinung von Machern zu trennen.

Vergleichbar mit einer »Recherche« hat diese Arbeit das Ziel, schon Bekanntes im Rahmen des Neuen aufzuzeigen. Im Unterschied zum journalistischen Vorgehen handelt es sich dabei jedoch nicht um Aussagen, die ohne Recherchierverfahren nicht preisgegeben würden, sondern um eine komplexe Sammlung von Meinungsäußerungen, Beobachtungen und Assoziationen im Sinne einer Ethnographie.

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